Mittwoch, 1. Februar 2017

Virtual Reality Erfahrungen

Ich habe mich zwei Tage mit Virtual Reality beschäftigt. Bisher war ja eher Augmented Reality mein Thema, VR haben wir nur sehr rudimentär (360°-Fotos) in unseren Anwendungen verwendet. Das liegt vor allem daran, dass ich bisher nicht so der 3D-Typ war. Aber ganz außen vorlassen können wir es auch nicht, also habe ich mich mal ein wenig umgeschaut.
Am Montag war ich bei Trotzkind (http://trotzkind.com). Trotzkind entwickelt interaktive Virtual Reality, vor allem im Gaming-Bereich. Und ich muss echt sagen, das ist schon krass, was die da so bauen. Man setzt eine Brille auf, einen Kopfhörer und bekommt dann so zwei Griffe in die Hand. Und peng... schon stehst Du in einer riesigen Halle (200-300 Meter?) mit unterschiedlichen Bauten aus Berlin. Und dieses Gefühl der Halle wird so echt rübergebracht, weil die audiovisuelle Wahrnehmung es Dir vorgaukelt. Dieses unfassbare Raumgefühl verursacht echt Gänsehaut. Die Beiden von Trotzkind wollten immer, dass ich irgendwelche Interaktionen vornehmen soll, ich wollte mich aber eigentlich nur umschauen und dieses Raumgefühl genießen.
Der zweite Fall, den sie mir gezeigt haben, war eine Wohnungsbesichtigung. Wieder krass. Ja, natürlich sieht man, dass man sich in einer digitalen Umgebung befindet. Aber das wird so schnell unwichtig, weil eben dieses Raumgefühl so realitätsnah ist. Ich habe doch tatsächlich nach der Gardine gegriffen und wollte den Stoff spüren. Man kann sich in den Räumen zwar bewegen, aber man wird durch digitale Gitter eingeschränkt, weil der reale Raum gar nicht ausreichen würde. Mit diesen beiden Griffen in der Hand, die man übrigens auch in der digitalen Welt sieht (ohne Hände, nur die Griffe), kann man von Gitter-Raum zu Gitter-Raum springen.
Ihr merkt wahrscheinlich, dass ich echt begeistert bin!
Wir haben uns im Anschluss noch eine ganze Weile über die tatsächlichen Machbarkeiten und Aufwände unterhalten. Solche virtuelle Realitäten mit dieser Qualität kann man heute nur anzeigen, wenn im Hintergrund live ein Rechner die Anzeige berechnet. In dem Moment, wo wir auf mobile Endgeräte wechseln wollen, müssen wir uns von diesem Anspruch verabschieden. Die Rechenleistung der Endgeräte und die Bandbreiten des Internets reichen einfach noch nicht aus und es ist keine kleine Lücke, die es da zu schließen gilt.
Aber ist gibt natürlich Möglichkeiten, auch auf mobilen Endgeräten VR stattfinden zu lassen. Man muss sich aber im klaren sein, dass man qualitativ sehr weit unten ansetzen muss. Auch die HoloLens hat übrigens dieses Problem. Die Rechenleistung ist noch nicht ausreichend, weshalb alles sehr künstlich unfertig wirkt.
Ich vermute, dass wir noch drei bis fünf Jahre brauchen, bis VR wirklich auf mobilen Endgeräten sinnvoll einzusetzen ist.
Nichts desto trotz werde ich das Thema weiter verfolgen. Wir arbeiten z.B. gerade mit der Evangelischen Nordkirche an einer App, deren Thema unter anderem auch die "Raumerfahrung" ist. Ich würde mich ja gerne in einer Kirche auf die Bank setzen, eine VR-Brille aufsetzen und z.B. sehen wollen, wie im Mittelalter der Markt innerhalb der Kirche stattgefunden hat. Oder ich könnte zu Weihnachten inmitten einer riesigen Krippe stehen und mich umschauen. Da gibt es unfassbar viele Möglichkeiten! Vielleicht finden wir ja eine Kirche, die den Weg mit uns auch in Richtung VR gehen will.
Denn eins ist klar: Im Moment kostet die gute VR echt noch viel Geld. Wir sprechen da über 10.000de von Euro.
Aber es steckt echt ein riesiges Potential in VR und ich bin gespannt wie es weitergeht.
Ach ja, gestern war ich dann bei einer Business-Veranstaltung zum Thema VR und da wurden auch viele Videos von VR- und AR-Szenarien gezeigt. Leider wurde nicht darauf hingewiesen, dass 95% der dargestellten Beispiele sog. Zukunftsstudien waren, die real nie umgesetzt wurden, teilweise sogar nur als Animation entwickelt wurden. Unter anderem wurde eine Navigation auf dem Flughafen in Dubai gezeigt. Und da ich am Samstag nach Dubai fliege, habe ich gleich nach der Anwendung gesucht. Nein, es war nur eine Zukunftsstudie. In dem Fall hätte es mich auch schwer gewundert, da die gezeigte Navigation über den Kompass im Smartphone gesteuert werden sollte, der aber einfach zu ungenau ist, um genau das zu gewährleisten, was in der Zukunftsstudie gezeigt wurde. Ich hoffe, die anwesenden Unternehmen konnten das entsprechend werten. Ansonsten steht wieder ein armer Entwickler vor der Aufgabe, einem Kunden zu erklären, dass nicht alles, was ich im Fernsehen sehe, auch real ist! 

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